Die Visitenkarte von Köln

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Obdachlose schlafen unter Brücken. Das ist neu!

Obdachlose schlafen unter Kölner Brücken. Das ist ein Skandal!

Die Kölner Interessengemeinschaft »unser Dorf soll schöner werden«, diesmal vertreten durch CDU und FDP,  hat ein neues Betätigungsfeld gefunden, denn dass die schmucken Plätze unter der Mülheimer Brücke von Obdachlosen als Schlafplatz missbraucht werden, geht einfach nicht. Und dass sie auch noch unter der Zoobrücke lagern — unfassbar. Ist das Gebiet unter der Zoobrücke doch nicht nur eine städtebauliche Perle, es ist auch eine Visitenkarte der Stadt, so Johannes Winz (CDU).

Das Ordnungsamt bemüht sich nach Kräften. Nein, nicht um den Obdachlosen eine Wohnung zu beschaffen, denn das wollen die ja gar nicht¹, sondern um sie zu vertreiben. Aber diese menschlichen Schadnflecke sind hartnäckig und weigern sich standhaft, statt unter der Brücke zu nächtigen, lieber auf die Brücke zu steigen und in den Rhein zu springen. Somit sind sie immer noch da. Trotz Vertreibung. Ärgerlich.

Obdachlose haben auch noch Ansprüche. Sie wollen leben. Sie wollen sich nicht verstecken. Sie wollen Würde. Wenn das so weitergeht, gründen sie noch einen Vertriebenen-Verband.

Der Ansatz der Cristlich-Demokratischen Union ist nachvollziehbar. Die in Köln seit altersher gepflegte und zur Vervollkommung kultivierte Spielart der Gottgefälligkeit hebt die Hand, um den geliebten Nächsten zu segnen, während das Bein beinahe reflexartig zutritt.

Etwas unverständlich ist jedoch die Position der Freidemokraten, denn ansonsten ist man doch gegen Regulierung, da alles und jedes vom Markt geregelt wird.

Wie auch immer, die Hierarchie der Grundrechte ist wohl beiden gottgefälligen Institutionen, mögen sie Jahwe oder Mammon anbeten, unbekannt. Die in Artikel eins des Grundgesetzes formulierte Menschenwürde ist gegenüber keinem anderen Recht abwägbar und kann durch keinerlei Ansprüche eingeschränkt werden. Nicht einmal durch den Anspruch auf eine touristenfreundliche Unterseite der Zoobrücke.

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Siehe auch: http://www.rundschau-online.de/region/koeln/-zumutung-fuer-besucher–koelns-verwaltung-soll-unerlaubte-obdachlosen-lager-verhindern-24823036
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¹ Jörg Bretzmann, Leiter des städtischen Ordnungs- und Verkehrsdienstes: »Sie nehmen diese Angebote aber aus den verschiedensten Gründen nicht an – etwa, weil sie ihre Hunde nicht in die städtischen Unterkünfte mitbringen und dort auch nicht rauchen oder trinken dürfen.« Wer sich die städtischen Unterkünfte ansieht, weiss, was Obdachlose wirklich abschreckt, denn da sind wir wieder bei Art. 1 GG.
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Bild: Zoobrücke on sunny, but misty Sunday morning. Foto: rp72. © CC-BW

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